Mein Himmelstag

Als ich lernte, was es bedeutet, dass Gott uns einen Ruhetage in der Woche schenken möchte, wollte ich wissen, wozu dieser dienen soll. Da war meine Offenbarung, dass Gott uns zeigen möchte, wie Er ist und uns das immer wieder vor Augen halten möchte. Eben die Realität vom Ausruhen, Zeit mit Ihm zu haben, zu erinnern, was in der Woche war, wie mein Leben war.

Mein Fokus war lange Zeit: ich will sehen und schmecken, wie gut Gott ist. Ich habe eine Verabredung, die ich mit Gott habe, wovon ich mich nicht ablenken lassen will. Ich habe dann gemerkt, wie eine Ruhe, ein Frieden, ein Vertrauen in mein Leben gekommen ist. Es kam richtig Tiefgang in meine Beziehung zu Gott, da ich mich nicht ablenken ließ – so wie bei einem echten Date. Als ich noch Single war, beschrieb ich es als „Mein Himmelstag“. Ich tauchte ein in die Realität des Himmels: dass der Himmel real ist, Gott real ist, dass ich Ihn begegnen kann und an himmlische Orte gehen kann. Ich wollte immer alles, was ich in der Bibel lese, selbst erfahren. Der Sabbat war dann für mich ein Tag der Ruhe, um Gott mit allen Sinnen zu begegnen.

Ein Ruhetag in der Woche

Seit mein jüngstes Kind geboren wurde, fühlte ich mich oft kurz vor einer Wochenbett-Depression. Indem ich mich in meinen Gedanken auf Wahrheit richtete, konnte ich gerade noch drüberstehen. Aber das Gefühl einer Depression hing wie ein Damokles-Schwert über meinem Kopf. Diese Belastung verschwand erst, als ich drei Monate später für mich beten ließ. Aber irgendwie fand ich dennoch keine vollständige Ruhe. Ich gestaltete allerlei Auszeiten, auch im Sinne von „Projekt-Pausen“. Mein Leben mit Jesus ging voran und ich freute mich darüber, immer mehr freisetzende Wahrheit zu entdecken. Doch ich spürte weiterhin eine innerliche Unruhe; fast das Gefühl des Burn-outs.

Bis ich die Idee von einem Ruhetag bekam. Mir war klar, dass das für mich der Sonntag nicht ist. Wenn ich in die Gemeinde gehe und fast den ganzen Tag unterwegs bin und mit vielen Menschen rede, schenkt mir das keine Energie. Ich bin dann müde, bevor die neue Woche mit ihrer Arbeit wieder weitergeht. Also versuchte ich, den Samstagnachmittag ganz freizuhalten. Wenn wir Samstagabend Besuch bekamen oder mein Wochenende zu voll war, ging ich sonntags nicht mit meiner Familie in die Gemeinde. Anfänglich fühlte ich mehr innerliche Ruhe. Aber schon schnell merkte ich, wie sich der Vormittag immer länger zog und mein freier Nachmittag kürzer wurde. Die Unruhe hatte noch nicht aufgehört. Also musste es wohl doch ein ganzer Tag sein.

Ich fand es nicht einfach zu lernen, einen Ruhetag zu haben. Ich machte keine praktischen Arbeiten, was mir nicht schwer fiel. Ich bin eher eine denkende als praktische Person. Es fiel mir gar nicht auf, dass ich an meinem Ruhetag „endlich meine Bücher“ in Ruhe lesen konnte oder „endlich ein paar Predigten, während einen Spaziergang“ hören konnte. Eines Samstagsabends lag ich im Bett und freute mich über das neu gelernte vom Tag. Aber gleichzeitig fühlte ich mich etwas schwermütig bei dem Gedanken, mein ganzes Leben immer mehr lernen „zu müssen“. Obwohl ich Lernen besonders liebe.

Da sprach Gott zu mir und sagte: „Deshalb gibt es einen Ruhetag: einen Bruch in deinem Alltag. Am nächsten Tag ist die Arbeit vom Alltag dann wieder neu. Wenn du nie eine Pause von dem machst, was du liebst, wird es anstrengend.“ Das leuchtete mir sehr ein. Beim Sabbat dachte ich an eine Pause von praktischer Arbeit, aber nicht von Denkarbeit. Dann arbeite ich persönlich noch mehr und intensiver im Kopf als mit den Händen. Erst da verstand ich, wie ich an meinem Sabbat besser die Bücher weitgehend geschlossen halten und spazieren gehen sollte – ohne Impulse aus menschlichen Quellen.

Es ist nicht einfach, geliebte „Arbeiten“ einen Tag liegen zu lassen. Es sollte keine Last sein, jede Woche einmal Urlaub zu feiern! Doch von meinen Werken zu ruhen, während ich mich an Jesus‘ vollbrachtem Werk freue, geht scheinbar nicht von selbst. Das ist ein kurzes Loslassen von dem, was uns stark zieht. Vielleicht ist es das Handy, dass sonst sieben Tage lang in vollen Einsatz ist. Immerhin bringt es viele Gedanken und Emotionen mit sich, die man dann verarbeiten soll. Das kostet Energie! Es ist möglich, eine Hass-Liebe-Beziehung zu etwas mit einem festen Sabbat in der Woche zu durchbrechen. So wie das für mich gilt mit meiner Liebe zum Denken und Lesen.

Es ist ein Prozess

Ich bin sehr froh, mittlerweile einen Ruhetag einzuhalten, aber ich darf auch lernen, noch besser mit ihm umgehen zu können. Das ist in Ordnung, da ich Fehler machen und wachsen darf und da ich auch an kein Gesetz gebunden bin. Ausgenommen das Gesetz der Liebe. Auch mir selbst gegenüber bin ich nur Liebe verschuldet.

Bleibt niemandem etwas schuldig; nur die Liebe schuldet ihr immer einander. Römer 13,8–10

An meinem Ruhetag mache ich gerne einen langen Spaziergang. Auf der Hälfte der Strecke höre ich mir eine Predigt an, die ich schon öfters gehört habe und mir keinen neuen Input verschafft. Auf den Rückweg versuche ich die Vögel zu genießen, und ich nehme viele kreative Ideen und Gedanken in meinem Herzen wahr. Ich habe mich darin geübt, mein Handy auszulassen, und das fällt mir jetzt nicht mehr schwer. Manchmal lasse ich es sogar einen zusätzlichen Tag aus. Auch mein Laptop und den Computer lasse ich generell aus. Der Tag geht schnell vorbei – ein bisschen Haushalt soll auch möglich sein. Mit der Familie genießen wir extra gemeinsame Zeit und besonderes Essen – so wie ab und zu Grillen oder Pizza aus dem Pizzaofen.

 

Der Sabbat ist doch nur ein altes Gesetz!?

Jesus hat am Kreuz den Fluch vom Gesetz aufgehoben. Das heißt, dass du nicht zu Gott, Seinem Segen oder in den Himmel kommst, indem du ohne Fehler bist. Du brauchst auch keine Tiere zu schlachten und opfern, wenn du sündigst. Sondern es gibt seitdem einen neuen Bund. Dieser ist zwischen Gott und Jesus geschlossen und hat nicht mit deinem Tun und Können zu tun. Der Segen liegt in Jesus, und wenn du in Ihm bist, gehört dir der Segen wegen dem, was Jesus für dich getan hat. Einfach so.

Das sagt jedoch nichts über den Inhalt der Gesetze aus, die Gott im Alten Testament (die „Thora“) gab. Er gab sie in Weisheit und Liebe, und sie waren gemeint, Segen im Alltag zu erleben. Einige dieser Gesetze haben mit dem damaligen Tempel und Priesterdienst zu tun. Die anderen brauchst du auch nicht einzuhalten. Du musst ihnen nicht dienen. Aber du kannst sie trotzdem beachten, damit sie dir dienen.

In dem Sinne schenkte Gott dir einen Sabbat: ein Ruhetag in der Woche. Es macht viel Sinn darüber zu beten, wie du diesen für dich und deine Familie gestalten kannst. Welche 24 Stunden kannst du von Arbeit und „To Do’s“ freihalten? Was kannst du am Tag vorher vorbereiten und wie kannst du am Sabbat simpler gestalten, damit du extra Entspannung findest?

Jesus fügte hinzu: „Gott hat den Sabbat für den Menschen geschaffen, nicht den Menschen für den Sabbat.“ Markus 2,23

 

Dieser Text ist Bestandteil meines Buches „Bella Mama“ (mit Fokus auf Schwangerschaft, Geburt und erstem Babyjahr), das ich vor 6 Jahren veröffentlichte, das ich aktuell überarbeite und in absehbarer Zukunft in mehreren Einzelteilen neu herausgeben werde.