Blumen von Jesus – Teil 4
Text von Anette Sorge
Blumen statt Steine
Am liebsten wollte Niklas tanzen, so froh fühlte er sich plötzlich. Doch da merkte er, dass er seinen Rucksack aufhatte, und der war viel zu schwer dafür. Jesus, der ihn beobachtete, fragte: „Wollen wir zusammen deinen Rucksack auspacken? Ich glaube, darin sind viele Dinge, die du nicht mehr brauchst!“
„Okay“, antwortete Niklas und ließ zu, dass Jesus ihm den schweren Rucksack abnahm. „Lass uns ihn öffnen und schauen, was darin ist“, schlug Jesus vor.
Eifrig öffnete Niklas den Rucksack und sah, dass er voll war mit Steinen. Verwundert runzelte er die Stirn. Er konnte sich nicht daran erinnern, Steine eingepackt zu haben. „Komm, wir nehmen den ersten Stein heraus“, sagte Jesus. Gemeinsam nahmen sie ihn. Auf dem Stein stand: „Angst, nicht geliebt zu werden.“ In dem Moment spürte Niklas sie wieder, diese bohrende Angst, dass keiner ihn mehr lieben würde, wenn er nicht immer die besten Leistungen erbrachte. „Du brauchst diesen Stein nicht“, sagte Jesus. „Wollen wir ihn gemeinsam in den See werfen?“ Niklas dachte einen Augenblick nach. In der kurzen Zeit, die er jetzt mit Jesus zusammen gewesen war, hatte er eins deutlich gespürt: dass Jesus ihn bedingungslos liebte. Seine Liebe war nicht von dem abhängig, was Niklas konnte oder tat. „Okay“, sagte er deshalb, und gemeinsam trugen sie den Stein zum Wasser und warfen ihn hinein.
Dann schauten sie sich den nächsten Stein an. „Angst, dass meine Eltern sich trennen“, stand darauf. „Aber davor habe ich wirklich Angst“, sagte Niklas. „Sie streiten sich doch ständig!“ „Gib mir die Angst“, forderte Jesus ihn sanft auf. „Komm, wir werfen sie gemeinsam in den See.“
Niklas zögerte. Er konnte sich gar nicht vorstellen, ohne diese Angst zu leben. Aber weil er spürte, dass er Jesus vertrauen konnte, nickte er, und gemeinsam hoben sie auch diesen Stein auf und warfen ihn ins Wasser. Niklas schaute in den Rucksack. Da waren noch mehr Steine. Hatte er wirklich die ganze Zeit so viele Lasten mit sich rumgeschleppt? „Angst, meinen Vater zu enttäuschen“, stand auf dem nächsten Stein. Niklas seufzte. Von klein auf hatte Papa ihm klargemacht, dass er seinen eigenen Vater enttäuscht hatte, aber seine ganze Hoffnung darauf ruhte, dass Niklas es einmal besser machen würde als er selbst. Und Niklas wollte es unbedingt! „Ist das auch ein Stein, den ich wegwerfen muss?“, fragte er. „Es ist doch eigentlich nichts Schlimmes, wenn man seinen Vater nicht enttäuschen will!“ „Nein, dass du deinen Vater nicht enttäuschen möchtest, ist eine gute Sache. Aber wenn es zur Angst wird, ist es eine Last, die du nicht tragen musst. Wenn du sie mit mir gemeinsam in den See wirfst, wirst du sehen, dass es dir viel leichter fällt, dich so zu verhalten, dass du deine Eltern glücklich machst!“ „Okay.“ Gemeinsam mit Jesus hob Niklas auch diesen Stein auf und warf ihn ins Wasser. Der nächste Stein sah etwas anders aus als die anderen. „Wut“, stand in großen Buchstaben darauf. „Weil Mama und Papa es nicht schaffen, sich besser zu vertragen.“ Oh ja! Wenn Niklas den Stein nur anschaute, spürte er schon, wie die Wut wieder in ihm hochstieg. „Ich finde, sie sollten sich mehr Mühe geben!“, schimpfte er. „Es ist so schrecklich, wenn sie sich ständig streiten!“ „Vergib ihnen“, forderte Jesus ihn sanft auf.
Niklas schaute ihn erschrocken an. „Was?“, fragte er empört. Doch plötzlich fiel ihm wieder ein, wie der Garten am Anfang ausgesehen hatte. Er war völlig verwildert gewesen. Überall waren Unkraut und Chaos. Das war der Zustand seines Herzens gewesen, bevor Jesus eingezogen war. Und Jesus hatte ihn nicht dafür getadelt, sondern den hässlichen Garten in einen wunderschönen verwandelt. In einem einzigen Augenblick hatte Jesus ihm nicht nur alles Böse vergeben, was in seinem Herzen gewesen war, sondern ihn vollkommen neu gemacht. Wie hätte er angesichts solcher Liebe und Vergebungsbereitschaft an seiner eigenen Wut festhalten können? „Ich vergebe Mama und Papa“, antwortete Niklas deshalb entschlossen und brachte gemeinsam mit Jesus den Wut-Stein zum See. Erleichtert beobachtete er die Kreise auf dem Wasser, als der Stein darin versunken war. Danach fanden sie noch weitere Steine im Rucksack, und nach und nach warfen sie jeden hinein, bis der Rucksack leer war. „Das war der letzte!“, rief Niklas begeistert und schaute zum See. Darin waren jetzt alle Steine.

Jesus strahlte. „Schau, was jetzt passiert“, sagte er. Neugierig beobachtete Niklas, wie sich das Wasser bewegte. In der Mitte des Sees begann etwas zu wachsen. Eine Insel, voll mit bunten Blumen, entstand. Erst war sie klein, dann wurde sie größer und größer. Fasziniert beobachtete Niklas, wie sie den ganzen See verschlang, bis das Wasser vollständig verschwunden und an dessen Stelle eine bunte Blumenwiese entstanden war. Niklas riss vor Begeisterung die Augen weit auf. Blumen in allen Formen und Farben blühten dort, wo vorher der See gewesen war. Schmetterlinge, Bienen und Hummeln tummelten sich in dem Blütenmeer. Der Anblick war so herrlich, dass Niklas sich kaum satt sehen konnte. Plötzlich bückte Jesus sich, pflückte einen Blumenstrauß und reichte ihn Niklas. „Diese Blumen sind für dich. Sie sollen dich daran erinnern, wie sehr ich dich liebe, und dass du mir vertrauen kannst.“ Staunend nahm Niklas den Blumenstrauß entgegen. Er fühlte sich kostbar an in seiner Hand und duftete herrlich. In diesem Moment fühlte Niklas sich so frei und glücklich wie noch nie in seinem Leben. Er spürte, dass all seine Ängste von ihm abgefallen waren. Wie viele Lasten hatte er vorher mit sich herumgeschleppt! Erst jetzt, wo sie weg waren, merkte er, wie gut es war, sie los zu sein.
„Weil ich dich liebe …“
„Das müssen wir feiern!“, rief Jesus, fing an, ein fröhliches Lied zu singen und griff nach Niklas‘ Hand, um ihn bald darauf in einem wilden Tanz herum zu wirbeln. Niklas lachte und fing selbst an, zu tanzen und zu singen. Er sang ein Lied über Jesus, und wie toll er ihn fand. Die Worte flossen einfach aus seinem Mund heraus, weil er so begeistert war.
Als er kurz eine Pause machte, weil er vom wilden Toben schon völlig außer Atem war, hörte er, wie Jesus ein Lied über ihn sang. Über ihn, Niklas! Vor Staunen stand Niklas ganz still und hörte Jesus zu, der ausgelassen sang: „Mein Niklas ist so wunderbar, ich liebe ihn, ich liebe ihn!“
Verblüfft beobachtete Niklas Jesus, der begeistert sang und wild tanzte. „Meinst du das ernst?“, fragte er nach einer Weile. „Meintest du wirklich mich mit dem Lied?“ Jesus schaute ihn wieder mit seinen unglaublich liebevollen Augen an und sagte mit sanfter Stimme: „Natürlich! Was meinst du, wie begeistert ich von dir bin!“
„Aber warum?“, fragte Niklas. Er konnte sich gar nicht vorstellen, dass Jesus so begeistert von ihm war. „Weil ich dich liebe“, antwortete Jesus schlicht. Diese Worte hallten in seinem Inneren wieder. „Weil ich dich liebe …“ Sie hüllten ihn ein wie eine warme, schützende Decke.
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